Architektur
Die Oldenburger Hundehütte
HISTORIE
Die verschiedenen Typen des Oldenburger Giebelhaus - auch Oldenburger Hundehütte genannt
"Der Typ des Oldenburger Giebelhauses, auch „Hundehütte“ genannt, hat in verschiedenen Entwicklungsstufen über annähernd 60 Jahre die Stadtentwicklung Oldenburgs geprägt. Von den ersten Beispielen in den 1850er Jahren bis zu den letzten Bauten kurz vor dem ersten Weltkrieg hat er das Stadtbild maßgeblich bestimmt und ist bis heute von augenscheinlicher Bedeutung.
Wurden bis zur Wirtschaftswunderzeit der 1970er Jahre viele Beispiele dieses Gebäudetyps abgebrochen oder umgebaut, hat seit diesem Zeitpunkt ein Umdenken stattgefunden und wird dieses historische Gebäude zunehmend geschätzt und geschützt."
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TYP A: Die Frühform, zentral erschlossener Giebelhaustyp

Datierung:
- Blütezeit 1860 - 1875
Kennzeichen:
- giebelständig, 1,5 geschossig
- fünfachsig
- Satteldach mit 40º Neigung
- Zentrale Erschließung bei Giebelbreite von 10 - 12m
- verputzte Fassade mit schlicht klassizistischer Gliederung
- Drempelgeschoss mit Abseiten
- mittige Sprossenteilung der Fenster bei freiem Oberlicht
Variationen:
- Einfügen eines Souterrains
- außermittiger Eingangsbereich mit breitem Verkaufs- / Werkraum
Nutzerkreis:
- Bürgerliche Mittelschicht, vorwiegend Handwerker, Kleine Kaufleute, Beamte, Rentner
Standort:
- Oldenburg, Haareneschviertel
- Oldenburg, Nordstadtviertel
TYP B: Die klassische Form, seitlich erschlossener Giebeltyp

Datierung:
- Blütezeit 1850/60 - 1875, bis ins 20. Jh. hinein vertreten
Kennzeichen (im Unterschied zu TYP A):
- seitliche Erschließung
Frühform:
- Erschließungszone verbleibt innerhalb der Hausflucht
- zumeist ohne Souterrain
- zurückhaltend klassizistische Fassadengestaltung (teilweise Rundbogenfenster / -friese)
- zumeist vier-, eventuell auch dreiachsig mit Dachneigungswinkel von 45º
Nutzerkreis:
- Bürgerliche Mittelschicht,
Spätform (ab 1870):
- aus dem Hauptbaukörper gelöste Erschließungszone
- Souterrain mit Steinrustizierung
- differenzierter, reicher plastischer Fassadenschmuck im Stil der Neurenaissance
- Giebelausgestaltung mit ornamentalem Schnitzwerk
- vier- und auch fünfachsig
Nutzerkreis:
- Bürgerliche Oberschicht
Standorte:
- Verbreitung vorwiegend in Oldenburg, Dobbenviertel
TYP C: Die Spätform, Giebelhaus mit seitlich vorgelegtem Treppenhaus und straßenseitigen Altan

Datierung:
- 1875 - 1900
Kennzeichen:
- vierachsig
- seitlich vorgelagertes Treppenhaus
- straßenseitig vorgezogener Altan (Varianten: polygonaler Altan mit bekrönendem Austritt, rechteckiger Altan mit Austritt, überdachter Altan)
- hohes Souterraingeschoss mit Scheinrustizierung
- weit vorkragendes Satteldach (Pfetten-Sparren-Sach) mit geschnitzter Giebelfüllung
- reich verzierte Prunkfassade mit Schmuckelementen des Historismus, später Jugendstil
Nutzerkreis:
- Bürgerliche Oberschicht (primär hohe Beamte, reiche Unternehmer, Bankiers, vermögende Rentner
Standorte:
- vornehmlich in Oldenburg, Dobbenviertel
- teilweise auch in Oldenburg, Haareneschviertel
TYP D: Die Sonderform, Halbgiebelhaus

Datierung:
- 1880 - 1890/1900
Kennzeichen:
- asymmetrischer Baukörper, Differenzierter zw. 1,5geschossigem, traufenständigen Trakt und zweigeschossigem Giebelteil / Seitenrisalit
- reicher, historisierender Schmuck im Bereich des Risalits
- Souteraingeschoss
Variationen:
- Lage der Erschließungszone: seitlich im Giebeltrakt, seitlich im traufenseitigem Trakt oder straßenseitig zentral
- Altanvorbau: im Bereich des Risaltis oder im traufenseitigen Teil
Nutzerkreis:
- vorwiegend bürgerliche Oberschicht

Quelle: Das Oldenburger Giebelhaus: Betrachtungen zur "Hundehütte"
Karsten Friedrichs-Tuchenhagen (Hg.). Mit Beiträgen von Michael W. Brandt und Ewald Gäßler
Oldenburg: Isensee Verlag
ISBN 978-3-7308-2051-3
1997, Seiten 13ff.
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